Lehren und Forschen
Was passiert, wenn uns ein Film zum Lachen oder Weinen bringt? Inwieweit kann die Begegnung mit Film auch Bildungsereignis sein?
Mich interessiert, wie Filme als ästhetische Erfahrungen wirken, von denen wir uns involvieren, vielleicht sogar verführen lassen. Und wie wird diese Erfahrung im Nachhinein Anlass, um über die eigenen Selbst- und Weltverhältnisse nachzudenken?
In meiner Promotion an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg untersuche ich dieses Zusammenspiel aus psychoanalytischer Perspektive. In der Lehre arbeite ich an den Schnittstellen von Film- und Medienbildung, pädagogischer Professionalisierung und methodischem Arbeiten, immer mit dem Anspruch, Erfahrung, Reflexion und theoretische Fundierung zusammenzubringen.
Der Beitrag entwickelt die These, dass Filmrezeption sich weder auf analytische Distanz noch auf bloßes Erleben reduzieren lässt, sondern als eine mediopassive Bewegung verstanden werden kann: Das Subjekt ist zugleich aktiv und passiv, involviert und reflektierend. Daraus werden Konsequenzen für eine Filmbildung gezogen, die beides in Spannung hält.
Kulturelle Bildung Online, 2026
Promotionsprojekt
Die Film-Zuschauer-Interaktion aus psychoanalytischer Perspektive und ihr Potential für die Gestaltung postrezeptiver Filmbildungsprozesse
An der Schnittstelle von Filmwissenschaft, (Film)Psychoanalyse, Kultureller Filmbildung und (Medien)Bildungstheorie verortet, widmet sich dieses Dissertationsvorhaben einer grundlegenden Frage: Wie lässt sich das Zuschauersubjekt innerhalb der Filmrezeption theoretisch fassen? Der Rezeptionsprozess wird dabei als Interaktionsverhältnis zwischen Film und Zuschauer*in konzipiert, in dem beide sowohl als Subjekt als auch als Objekt der filmisch-rezeptiven Begegnung auftreten können.
Grundlage bildet auf Seiten der Zuschauenden ein psychoanalytischer Zugang: die von Jacques Lacan entwickelte Subjektkonstitution als „gespaltenes Subjekt" und die von Andreas Hamburger entwickelte Filmpsychoanalyse, womit besonders die unbewussten Anteile im Rezeptionsprozess in den Mittelpunkt gestellt sind. Auf Seiten des Films sind es die theoretischen Annahmen über „Film als Verführung", wie sie von Marcus Stiglegger in seiner Seduktionstheorie entwickelt wurden. Dem Film wird dabei ein transgressives Potential zugesprochen, das die klassische Subjekt-Objekt-Zuweisung in Frage stellt.
Damit ergänzt das Vorhaben bestehende Ansätze der Filmbildung um eine dritte Perspektive: Neben dem eher analytisch-distanzierten Filmverstehen und dem subjektorientierten Filmerleben rückt das Unbewusste und seine Wirkung auf individuelle Symbolisierungsprozesse im Anschluss an die Filmrezeption in den Fokus.
Das Forschungsdesign verbindet die theoretische Neukonzeption mit einem qualitativ-empirischen Zugang. In quasi-experimentellen Settings werden Filmsichtungen mit anschließenden filmpädagogisch-gerahmten Gruppengesprächen durchgeführt und mittels tiefenhermeneutischer Analyse ausgewertet. Besondere Aufmerksamkeit gilt Übertragungsphänomenen, Spiegelungseffekten und evozierten Gruppenszenen, die durch die Filmrezeption aktiviert werden. Aus den Ergebnissen sollen Implikationen abgeleitet werden, die einen Beitrag zur Filmbildungstheorie leisten und zugleich Empfehlungen für eine psychodynamisch informierte Filmbildungspraxis formulieren.
Publikationen
2026
Wie Abwesendes Anwesenheit bedingt. Themenzentrierte Interaktion (TZI) als kritisch-reflexive Perspektive
Casper, Marc / Haupt, Selma / Jann, Nina / Rieger, Phil. Noch nicht veröffentlicht
Filmrezeption im Modus des Mediopassivs: Involvieren und Reflektieren als Grundbewegungen kultureller Filmbildung
Kulturelle Bildung Online. DOI: 10.25529/cn92-fk09
Filmbesprechung HELDIN
2025
Der Film blickt zurück. TZI und Filmbildung
In: Zeitschrift für Themenzentrierte Interaktion, Jg. 39, Bd. 2, S. 183-192
Sammeln, sichten, sortieren: Der Beitrag des reflective film zur Haltungsbildung im Studium der Sozialen Arbeit
Goral, Anja / Rieger, Phil. In: DiMe-Sozial | Soziale Arbeit, Medien und Digitalisierung, Jg. 1, Bd. 2, S. 41-49
Filmemachen als Ich-Erfahrung. Das handlungsorientierte Konzept des reflective film
Kulturelle Bildung Online. DOI: 10.25529/h1hn-nj90
Katja Lell, Manuel Zahn: Spannungsfelder interkultureller Filmbildung
In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 42, Nr. 2, S. 332-333. DOI: 10.25969/mediarep/23927
2024
Mit Ästhetischer Forschung zum reflective film. Filmpraxis und Hochschule in Annäherung
In: Begemann, Verena / Goral, Anja (Hrsg.), Denn sie wissen, was sie tun. Sozialarbeitende in der Hospizarbeit und Palliativversorgung. S. 61-75. Kohlhammer
Filmbesprechung ROTER HIMMEL
Otto Teischel: Im Kino des Lebens: Wie Filmkunst uns daran erinnert, wer wir sein könnten
In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 41, Nr. 4, S. 656-657. DOI: 10.25969/mediarep/23297
Marcus Stiglegger: Film als Medium der Verführung: Einführung in die Seduktionstheorie des Films
In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 41, Nr. 1, S. 75-76. DOI: 10.25969/mediarep/21922
2021
Der Film ist ein für sich stehendes Erlebnis
Liedtke, Simone / Rieger, Phil. In: Loccumer Pelikan, Nr. 2. Online lesen →
Hochschullehre
Seit 2020 lehre ich an der Hochschule Hannover in den Studiengängen Religionspädagogik und Soziale Arbeit.
SoSe 2026
Content-Creation-Werkstatt für Erklärvideos und Podcasts
Filmemachen als Ich-Erfahrung: Mit dem Konzept des reflective film Lebenswelten neu entdecken
Sich selbst und eine Gruppe leiten: Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) kennenlernen
WiSe 2025/26
Die Ethik von Seelsorge und Beratung
Heilige Orte, heilige Zeiten, heilige Schriften
Kunst- und Kulturvermittlung in der Religionspädagogik
Mit Filmen bilden: Konzepte und Methoden
Seelsorge und Beratung: Einführung
SoSe 2025
Begleitgruppe für die Schreibzeit von BA-Arbeiten
Content-Creation-Werkstatt für Erklärvideos und Podcasts
Dem Fremden begegnen: Gender und Diversity in Religion und Gesellschaft
Religion im Film
reflective films: Der Tod im Angesicht des Lebens
Seelsorge und Beratung: Einführung
Seelsorge und Beratung in Gruppen: Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) kennenlernen
WiSe 2024/25
Berufsperspektiven in kirchlicher, diakonischer und sozialer Arbeit
Religion im Film und zum Sinn von Christfluencer*innen
Didaktisches Arbeiten: Konzepte und Ziele
Mit Filmen bilden: Konzepte und Methoden
Projektpraxisreflexion
Moderation von Kunst- und Kulturveranstaltungen
SoSe 2024
Projektpraxisreflexion
reflective films: Im Filmemachen sich selbst und die Welt neu entdecken
WiSe 2023/24
Get together: Gemeinsam Kunst- und Kulturveranstaltungen erleben und reflektieren
SoSe 2023
Dem Fremden begegnen. Diversity und Gender in Religion und Gesellschaft
Gott im Film. Religion in Kurz- und Langfilmen entdecken
Hauptamtlich werden: Perspektivwechsel einüben
WiSe 2022/23
Bilder bewegen: Filmpraktisches Arbeiten im religionspädagogischen Kontext
Die lange Nacht der kurzen Filme
SoSe 2022
Gottesdienst und Feier: Reflexion und Praxis
Gott im Film. Religion in Kurz- und Langfilmen entdecken
WiSe 2021/22
Gottesdienst und Feier: Reflexion und Praxis
Präsentationstechniken: Rhetorik und Medieneinsatz
SoSe 2021
Gottesdienst und Feier: Reflexion und Praxis
Gott im Film. Religion in Kurz- und Langfilmen entdecken
WiSe 2020/21