Phil Rieger in nachdenklicher Pose, Hand am Kinn

Was passiert, wenn uns ein Film zum Lachen oder Weinen bringt? Inwieweit kann die Begegnung mit Film auch Bildungsereignis sein?

Mich interessiert, wie Filme als ästhetische Erfahrungen wirken, von denen wir uns involvieren, vielleicht sogar verführen lassen. Und wie wird diese Erfahrung im Nachhinein Anlass, um über die eigenen Selbst- und Weltverhältnisse nachzudenken?

In meiner Promotion an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg untersuche ich dieses Zusammenspiel aus psychoanalytischer Perspektive. In der Lehre arbeite ich an den Schnittstellen von Film- und Medienbildung, pädagogischer Professionalisierung und methodischem Arbeiten, immer mit dem Anspruch, Erfahrung, Reflexion und theoretische Fundierung zusammenzubringen.

Promotionsprojekt

Die Film-Zuschauer-Interaktion aus psychoanalytischer Perspektive und ihr Potential für die Gestaltung postrezeptiver Filmbildungsprozesse

Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, betreut von Prof. Dr. Thomas Wilke und Prof. Dr. Marcus Stiglegger

An der Schnittstelle von Filmwissenschaft, (Film)Psychoanalyse, Kultureller Filmbildung und (Medien)Bildungstheorie verortet, widmet sich dieses Dissertationsvorhaben einer grundlegenden Frage: Wie lässt sich das Zuschauersubjekt innerhalb der Filmrezeption theoretisch fassen? Der Rezeptionsprozess wird dabei als Interaktionsverhältnis zwischen Film und Zuschauer*in konzipiert, in dem beide sowohl als Subjekt als auch als Objekt der filmisch-rezeptiven Begegnung auftreten können.

Grundlage bildet auf Seiten der Zuschauenden ein psychoanalytischer Zugang: die von Jacques Lacan entwickelte Subjektkonstitution als „gespaltenes Subjekt" und die von Andreas Hamburger entwickelte Filmpsychoanalyse, womit besonders die unbewussten Anteile im Rezeptionsprozess in den Mittelpunkt gestellt sind. Auf Seiten des Films sind es die theoretischen Annahmen über „Film als Verführung", wie sie von Marcus Stiglegger in seiner Seduktionstheorie entwickelt wurden. Dem Film wird dabei ein transgressives Potential zugesprochen, das die klassische Subjekt-Objekt-Zuweisung in Frage stellt.

Damit ergänzt das Vorhaben bestehende Ansätze der Filmbildung um eine dritte Perspektive: Neben dem eher analytisch-distanzierten Filmverstehen und dem subjektorientierten Filmerleben rückt das Unbewusste und seine Wirkung auf individuelle Symbolisierungsprozesse im Anschluss an die Filmrezeption in den Fokus.

Das Forschungsdesign verbindet die theoretische Neukonzeption mit einem qualitativ-empirischen Zugang. In quasi-experimentellen Settings werden Filmsichtungen mit anschließenden filmpädagogisch-gerahmten Gruppengesprächen durchgeführt und mittels tiefenhermeneutischer Analyse ausgewertet. Besondere Aufmerksamkeit gilt Übertragungsphänomenen, Spiegelungseffekten und evozierten Gruppenszenen, die durch die Filmrezeption aktiviert werden. Aus den Ergebnissen sollen Implikationen abgeleitet werden, die einen Beitrag zur Filmbildungstheorie leisten und zugleich Empfehlungen für eine psychodynamisch informierte Filmbildungspraxis formulieren.

Publikationen

2026

In Vorb.

Wie Abwesendes Anwesenheit bedingt. Themenzentrierte Interaktion (TZI) als kritisch-reflexive Perspektive

Casper, Marc / Haupt, Selma / Jann, Nina / Rieger, Phil. Noch nicht veröffentlicht

Artikel

Filmrezeption im Modus des Mediopassivs: Involvieren und Reflektieren als Grundbewegungen kultureller Filmbildung

Kulturelle Bildung Online. DOI: 10.25529/cn92-fk09

Besprechung

Filmbesprechung HELDIN

Online lesen →

2025

Artikel

Der Film blickt zurück. TZI und Filmbildung

In: Zeitschrift für Themenzentrierte Interaktion, Jg. 39, Bd. 2, S. 183-192

Artikel

Sammeln, sichten, sortieren: Der Beitrag des reflective film zur Haltungsbildung im Studium der Sozialen Arbeit

Goral, Anja / Rieger, Phil. In: DiMe-Sozial | Soziale Arbeit, Medien und Digitalisierung, Jg. 1, Bd. 2, S. 41-49

Artikel

Filmemachen als Ich-Erfahrung. Das handlungsorientierte Konzept des reflective film

Kulturelle Bildung Online. DOI: 10.25529/h1hn-nj90

Rezension

Katja Lell, Manuel Zahn: Spannungsfelder interkultureller Filmbildung

In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 42, Nr. 2, S. 332-333. DOI: 10.25969/mediarep/23927

Weitere Veröffentlichungen ↓

2024

Sammelband

Mit Ästhetischer Forschung zum reflective film. Filmpraxis und Hochschule in Annäherung

In: Begemann, Verena / Goral, Anja (Hrsg.), Denn sie wissen, was sie tun. Sozialarbeitende in der Hospizarbeit und Palliativversorgung. S. 61-75. Kohlhammer

Besprechung

Filmbesprechung ROTER HIMMEL

Online lesen →

Rezension

Otto Teischel: Im Kino des Lebens: Wie Filmkunst uns daran erinnert, wer wir sein könnten

In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 41, Nr. 4, S. 656-657. DOI: 10.25969/mediarep/23297

Rezension

Marcus Stiglegger: Film als Medium der Verführung: Einführung in die Seduktionstheorie des Films

In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 41, Nr. 1, S. 75-76. DOI: 10.25969/mediarep/21922

2021

Gespräch

Der Film ist ein für sich stehendes Erlebnis

Liedtke, Simone / Rieger, Phil. In: Loccumer Pelikan, Nr. 2. Online lesen →

Hochschullehre

Seit 2020 lehre ich an der Hochschule Hannover in den Studiengängen Religionspädagogik und Soziale Arbeit.

SoSe 2026

Content-Creation-Werkstatt für Erklärvideos und Podcasts

Filmemachen als Ich-Erfahrung: Mit dem Konzept des reflective film Lebenswelten neu entdecken

Sich selbst und eine Gruppe leiten: Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) kennenlernen

WiSe 2025/26

Die Ethik von Seelsorge und Beratung

Heilige Orte, heilige Zeiten, heilige Schriften

Kunst- und Kulturvermittlung in der Religionspädagogik

Mit Filmen bilden: Konzepte und Methoden

Seelsorge und Beratung: Einführung

SoSe 2025

Begleitgruppe für die Schreibzeit von BA-Arbeiten

Content-Creation-Werkstatt für Erklärvideos und Podcasts

Dem Fremden begegnen: Gender und Diversity in Religion und Gesellschaft

Religion im Film

reflective films: Der Tod im Angesicht des Lebens

Seelsorge und Beratung: Einführung

Seelsorge und Beratung in Gruppen: Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) kennenlernen

WiSe 2024/25

Berufsperspektiven in kirchlicher, diakonischer und sozialer Arbeit

Religion im Film und zum Sinn von Christfluencer*innen

Didaktisches Arbeiten: Konzepte und Ziele

Mit Filmen bilden: Konzepte und Methoden

Projektpraxisreflexion

Moderation von Kunst- und Kulturveranstaltungen

SoSe 2024

Projektpraxisreflexion

reflective films: Im Filmemachen sich selbst und die Welt neu entdecken

WiSe 2023/24

Get together: Gemeinsam Kunst- und Kulturveranstaltungen erleben und reflektieren

SoSe 2023

Dem Fremden begegnen. Diversity und Gender in Religion und Gesellschaft

Gott im Film. Religion in Kurz- und Langfilmen entdecken

Hauptamtlich werden: Perspektivwechsel einüben

WiSe 2022/23

Bilder bewegen: Filmpraktisches Arbeiten im religionspädagogischen Kontext

Die lange Nacht der kurzen Filme

SoSe 2022

Gottesdienst und Feier: Reflexion und Praxis

Gott im Film. Religion in Kurz- und Langfilmen entdecken

WiSe 2021/22

Gottesdienst und Feier: Reflexion und Praxis

Präsentationstechniken: Rhetorik und Medieneinsatz

SoSe 2021

Gottesdienst und Feier: Reflexion und Praxis

Gott im Film. Religion in Kurz- und Langfilmen entdecken

WiSe 2020/21

Online-Andachten konzipieren und veröffentlichen